Im elften Jahr des Bestehens des Preises reichten 49 Verlage 74 Titel für den Österreichischen Buchpreis ein, für den Debütpreis haben sich 26 Verlage mit 28 Erstlingstiteln beworben. Insgesamt sind damit 102 Werke, die zwischen 10. Oktober 2025 und 7. Oktober 2026 erschienen sind bzw. noch erscheinen werden, im Rennen. Unter den 102 eingereichten Titeln aus den Bereichen Belletristik, Lyrik, Drama und Essay stammen 34 Verlage aus Österreich, 29 aus Deutschland und einer aus der Schweiz.
Nominiert: Nina Temann: oh augen, eigene oper (Gedichte) (poetenladen Verlag, Juni 2026)
Nina Temanns Themen sind existenziell wie im Zyklus sagen lassen, wo das lyrische Ich nach den Grundbedingungen des Daseins fragt und eine zweite Seite des Selbst entwirft – das Spiegelgewicht: ich kannte mein Spiegelgewicht als liebe Gefährtin, als Füchsin, die neben mir schlich.
So faszinierend wie beunruhigend kann der poetische Schwebezustand in diesen Versen sein, in denen es keine fertige Weltbedeutung und keine zu deutenden oder kommentierenden Gewissheiten gibt. Im besten Sinne wohnt diesen Gedichten ein Fragen und Hinterfragen inne, als ständen wir mit der Dichterin erst am Anfang des Natur- und Welterlebens.
Jurybegründung
Im Zentrum von oh augen, eigene oper steht die Erfahrung einer Wirklichkeit, die zunehmend brüchig und schwer zu fassen ist. Dabei verbindet Nina Temann Wahrnehmung, Erinnerung und Reflexion auf eindrucksvolle Weise: Durch lyrische Bilder sowie Umwelt- und Tiermetaphern eröffnet der Text neue Perspektiven auf die Welt und auf das Verhältnis von Mensch, Natur und Tier. Der Text macht spürbar, wie prekär unsere Wahrnehmung von Welt werden kann, und erzählt zugleich von dem Versuch, in dieser Unsicherheit Halt und Orientierung zu finden. Dabei gibt er keine einfachen Antworten. Diese Haltung prägt auch die Sprache: Sie ist anspruchsvoll, bildreich und mutig, wagt einen hohen Ton, ohne dabei den Kontakt zur konkreten Welt zu verlieren. So entsteht ein eigenwilliger und zugleich sehr bedachter Text, der seine Leserinnen und Leser fordert, sie aber auch mit einer besonderen poetischen Intensität belohnt.