Fahrgeschäft Taumelchor

Fahrgeschäft Taumelchor

Eine Performance zwischen bewegtem Denken, Schreiben und Sprechen im labilen Gleichgewicht. Auf ins Gedankenkarussell. Zugedröhnte Fluglotsen weisen uns auf eine Bahn.

Die Fahrgeschäfte der Gegenwart schleudern uns über den Abgrund. Hängen wir schon fest? „Die Erfahrung des Abgrunds wird zur Erfahrung einer elementaren Orientierungslosigkeit und Freiheit“, ruft Marcus Steinweg. „Sie ist Erfahrung ontologischer Inkommensurabilität, die alle Kommensurabilität des Subjekts – all seine Gewissheiten, Werte, Evidenzen und Konsistenzen – ihrer Abgründigkeit überführt.“ Zerbricht der unausweichliche Sinn der Sprache am Taumel? Gibt es ein Gleichgewicht, das das philosophische Denken des Ungleichgewichts in der Sprache finden kann? Und weiter, wenn wir alle vom Taumel sprechen: Sind wir ein Taumelchor? Der Taumel, Subjekt unserer polyamourösen Projektionen? Was bewirkt die Gleichzeitigkeit vieler Stimmen, die taumeln? Ansteckung? Was begreift das Taumeln zwischen Sprache und Philosophie, wo doch der Taumel ein Zustand ist, der nicht nur Sprache, sondern Kommunikation zersetzt, in seine Elemente zerlegt, bis uns nur noch Verwirrung, ganz verprasste Geschwindigkeit oder doch Beschleunigung bleibt. Was bewegt sich im Burggraben zwischen Denken, Sprechen, Schreiben? Murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, hören wir Dieter Roth aus dem Sog der Wiederholung flüstern. Helfen uns Laura Brechmanns Praxen des Ungleichgewichts in Balance zu kommen, oder stolpern wir wieder nur über unsere eigenen Gedanken, die, auf dem Karussell rasend geworden, nicht mehr aussteigen können.

Studierende der Sprachkunst beschäftigen sich mit dem Taumel der Gegenwart.
Was steht still, was dreht frei? Wie können wir Textbewegungen in einen Taumel versetzen, angesichts der unkontrollierbaren Verlagerung des Schwerpunkts dieser Tage. Und: Welche Texte entstehen, wenn wir die pandemisch still gestellten Fahrgeschäfte im Prater als Texterzeugungsmaschinen begreifen?
Eine Performance zwischen bewegtem Denken, Schreiben und Sprechen im labilen Gleichgewicht.

Programm:

Einführung: Ruth Anderwald + Leonhard Grond, Gemeinsam durch den Taumel,
FWF-PEEK AR 598.

Lecture Performance:
Marcus Steinweg, Professor für Kunst und Theorie, Staatliche Akademie der
Bildenden Künste Karlsruhe.

Performative Intervention:
Laura Brechmann, Projektmitarbeiterin Gemeinsam durch den Taumel.

Einführung der Studierenden:
Monika Rinck, Professorin für Sprachkunst, Universität für Angewandt Kunst Wien.
Lesung von Texten der Studierenden des Instituts für Sprachkunst

Foto: Ines Frieda Försterling