IO Jahre Sprachkunst

Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens stellt sich das Institut für Sprachkunst der Frage nach der poiesis der polis, der Erschaffung eines Gemeinsamen. Wir – diese raunende, mitreißende Sprechinstanz, die immer ein- und ausschließt und dabei flüstert: We’re all in this together – müssen uns fragwürdig werden. Wer kommt zu Wort? Hallo? Wer spricht?

MERKSATZ
Wenn es runtergeht wie Butter, ist es vermutlich Propaganda. (M. Rinck)

Wenn es rutscht und flutscht, die Kehle runter, gut geschmiert wie von KTM, in den Saumagen und ins Ohr, in den Gehörgängen und Gehirnwindungen ohne Bremsen Achterbahn fährt, wir ohne Drehwurm steilste Loopings mitmachen und niemand sagt: Da hakt doch was. Wenn die Geschichte zu gut erzählt ist, um wahr zu sein, aalglatt abgeht in den telegenen Teflontropen, wir uns vom Narrativ zum Narren halten und herumführen lassen an der Nase, am alternativlosen Nasenring Faktenzwang. Wenn wir uns vom Hausverstand verlocken lassen, das müssen Sie doch einsehen, schauen Sie, ein Satz noch: Was dann?

Politik: die Aushandlung unseres Zusammenlebens im Raum, den wir teilen, mittels der Begriffe, die wir uns geben.

Poesie: das Brüchigwerden der Begriffe. Wie soll ich das verstehen ? Der Kommunikationsfluss klumpt. Da schau‘ her: die Bedingungen unseres Verstehens, unser Selbstverst ä ndnis, unsere Selbstverst ä ndlichkeit!

Poesie und Politik: Das politische Tier sieht im Spiegel das Tier, das die Sprache hat.

Das Institut für Sprachkunst als Experimentierstätte dieser Begegnung lädt dazu ein, sich der brennenden Frage zu stellen, welchen Begriff wir uns von uns machen: Machen wollen, machen können, machen müssen im Zeitalter rechter Normalisierung.

Für die politische und poetische Begriffsbildung gilt:

In der Geheimschrift der Poesie sind
Billig worden die Wortpirouetten
(R. Schindel)

Die Festivalleitung
Ferdinand Schmatz, Gerhild Steinbuch, Felicitas Prokopetz, Sandro Huber